West-Oestlicher Divan

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Author: Johann Wolfgang von Goethe

Buch Des Parsen

Parsi Nameh: Buch Des Parsen Vermaechtnis altpersischen Glaubens

Welch Vermaechtnis, Brueder, sollt euch kommen Von dem Scheidenden, dem armen Frommen, Den ihr Juengeren geduldig naehrtet, Seine letzten Tage pflegend ehrtet?

Wenn wir oft gesehn den Koenig reiten, Gold an ihm und Gold an allen Seiten, Edelstein’ auf ihn und seine Grossen Ausgesaet wie dichte Hagelschlossen:

Habt ihr jemals ihn darum beneidet? Und nicht herrlicher den Blick geweidet, Wenn die Sonne sich auf Morgenfluegeln Darnawends unzaehlgen Gipfelhuegeln

Bogenhaft hervorhob? Wer enthielte Sich des Blicks dahin? Ich fuehlte, fuehlte Tausendmal in soviel Lebenstagen Mich mit ihr, der kommenden, getragen,

Gott auf seinem Throne zu erkennen, Ihn den Herrn des Lebensquells zu nennen, Jenes hohen Anblicks wert zu handeln Und in seinem Lichte fortzuwandeln.

Aber stieg der Feuerkreis vollendet, Stand ich als in Finsternis geblendet, Schlug den Busen, die erfrischten Glieder Warf ich, Stirn voran, zur Erde nieder.

Und nun sei ein heiliges Vermaechtnis Bruederlichem Wollen und Gedaechtnis: Schwerer Dienste taegliche Bewahrung, Sonst bedarf es keiner Offenbarung.

Regt ein Neugeborner fromme Haende, Dass man ihn sogleich zur Sonne wende, Tauche Leib und Geist im Feuerbade! Fuehlen wird er jeden Morgens Gnade.

Dem Lebendgen uebergebt die Toten, Selbst die Tiere deckt mit Schutt und Boden, Und, so weit sich eure Kraft erstrecket, Was euch unrein duenkt, es sei bedecket!

Grabet euer Feld ins zierlich Reine, Dass die Sonne gern den Fleiss bescheine; Wenn ihr Baeume pflanzt, so sei’s in Reihen Denn sie laesst Geordnetes gedeihen.

Auch dem Wasser darf es in Kanaelen Nie am Laufe, nie an Reine fehlen; Wie euch Senderud aus Bergrevieren Rein entspringt, soll er sich rein verlieren.

Sanften Fall des Wassers nicht zu schwaechen, Sorgt, die Graeben fleissig auszustechen; Rohr und Binse, Molch und Salamander, Ungeschoepfe, tilgt sie miteinander!

Habt ihr Erd und Wasser so im Reinen, Wird die Sonne gern durch Luefte scheinen, Wo sie, ihrer wuerdig aufgenommen, Leben wirkt, dem Leben Heil und Frommen.

Ihr, von Mueh zu Muehe so gepeinigt, Seid getrost! nun ist das All gereinigt, Und nun darf der Mensch als Priester wagen, Gottes Gleichnis aus dem Stein zu schlagen.

Wo die Flamme brennt, erkennet freudig: Hell ist Nacht, und Glieder sind geschmeidig, An des Herdes raschen Feuerkraeften Reift das Rohe Tierund Pflanzensaeften.

Schleppt ihr Holz herbei, so tuts mit Wonne! Denn ihr tragt den Samen irdscher Sonne, Pflueckt ihr Pambeh, moegt ihr traulich sagen: "Diese wird als Docht das Heilge tragen."

Werdet ihr in jeder Lampe Brennen Fromm den Abglanz hoehern Lichts erkennen, Soll euch nie ein Missgeschick verwehren Gottes Thron am Morgen zu verehren.

Da ist unsers Daseins Kaisersiegel, Uns und Engeln reiner Gottesspiegel, Und was nur am Lob des Hoechsten stammelt Ist in Kreis um Kreise dort versammelt.

Will dem Ufer Senderuds entsagen, Auf zum Darnawend die Fluegel schlagen, Wie sie tagt, ihr freudig zu begegnen Und von dorther ewig euch zu segnen.

Wenn der Mensch die Erde schaetzet

Wenn der Mensch die Erde schaetzet, Weil die Sonne sie bescheinet, An der Rebe sich ergoetzet, Die dem scharfen Messer weinet, Da sie fuehlt, dass ihre Saefte, Wohlgekocht, die Welt erquickend, Werden regsam vielen Kraeften, Aber mehreren erstickend— Weiss er das der Glut zu danken, Die das alles laesst gedeihen, Wird Betrunkner stammelnd wanken, Maessger wird sich singend freuen.

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Chicago: Johann Wolfgang von Goethe, "Buch Des Parsen," West-Oestlicher Divan in West-Oestlicher Divan Original Sources, accessed September 19, 2018, http://www.originalsources.com/Document.aspx?DocID=CPG1UVK9Q8ERFQ3.

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Harvard: Goethe, JW, 'Buch Des Parsen' in West-Oestlicher Divan. cited in , West-Oestlicher Divan. Original Sources, retrieved 19 September 2018, from http://www.originalsources.com/Document.aspx?DocID=CPG1UVK9Q8ERFQ3.