Briefe Aus Der Schweiz

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Author: Johann Wolfgang von Goethe

[Den 24. Oct]

Den 24. Oct. ritten wir, in Begleitung eines Hauptmanns und Oberforstmeisters dieser Gegenden, erstlich Mont hinan, einen kleinen zerstreuten Ort, der eigentlicher eine Kette von Rebund Landhaeusern genannt werden koennte. Das Wetter war sehr hell; wir hatten, wenn wir uns umkehrten, die Aussicht auf den Genfersee, die Savoyer und Walliser Gebirge, konnten Lausanne erkennen und durch einen leichten Nebel auch die Gegend von Genf. Der Montblanc, der ueber alle Gebirge des Faucigni ragt, kam immer mehr hervor. Die Sonne ging klar unter, es war so ein grosser Anblick, dass ein menschlich Auge nicht dazu hinreicht. Der fast volle Mond kam herauf und wir immer hoeher. Durch Fichtenwaelder stiegen wir weiter den Jura hinan, und sahen den See in Duft und den Widerschein des Mondes darin. Es wurde immer heller. Der Weg ist eine wohlgemachte Chaussee, nur angelegt um das Holz aus dem Gebirg bequemer in das Land herunter zu bringen. Wir waren wohl drei Stunden gestiegen, als es hinterwaerts sachte wieder hinabzugehen anfing. Wir glaubten unter uns einen grossen See zu erblicken, indem ein tiefer Nebel das ganze Thal, was wir uebersehen konnten, ausfuellte. Wir kamen ihm endlich naeher, sahen einen weissen Bogen, den der Mond darin bildete, und wurden bald ganz vom Nebel eingewickelt.

Die Begleitung des Hauptmanns verschaffte uns Quartier in einem Hause, wo man sonst nicht Fremde aufzunehmen pflegt. Es unterschied sich in der innern Bauart von gewoehnlichen Gebaeuden in nichts, als dass der grosse Raum mitten inne zugleich Kueche, Versammlungsplatz, Vorsaal ist, und man von da in die Zimmer gleicher Erde und auch die Treppe hinauf geht. Auf der einen Seite war an dem Boden auf steinernen Platten das Feuer angezuendet, davon ein weiter Schornstein, mit Brettern dauerhaft und sauber ausgeschlagen, den Rauch aufnahm. In der Ecke waren die Thueren zu den Backoefen, der ganze Fussboden uebrigens gedielet, bis auf ein kleines Eckchen am Fenster um den Spuelstein, das gepflastert war, uebrigens rings herum, auch in der Hoehe ueber den Balken, eine Menge Hausrath und Geraethschaften in schoener Ordnung angebracht, alles nicht unreinlich gehalten.

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