Faust: Der Tragoedie Part 2

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Author: Johann Wolfgang von Goethe

Hell Erleuchtete Saele

KAeMMERER: Ihr seid uns noch die Geisterszene schuldig; Macht Euch daran! der Herr ist ungeduldig.

MARSCHALK: Soeben fragt der Gnaedigste darnach; Ihr! zaudert nicht der Majestaet zur Schmach.

MEPHISTOPHELES: Ist mein Kumpan doch deshalb weggegangen; Er weiss schon, wie es anzufangen, Und laboriert verschlossen still, Muss ganz besonders sich befleissen; Denn wer den Schatz, das Schoene, heben will, Bedarf der hoechsten Kunst, Magie der Weisen.

MARSCHALK: Was ihr fuer Kuenste braucht, ist einerlei: Der Kaiser will, dass alles fertig sei.

BLONDINE: Ein Wort, mein Herr! Ihr seht ein klar Gesicht, Jedoch so ist’s im leidigen Sommer nicht! Da sprossen hundert braeunlich rote Flecken, Die zum Verdruss die weisse Haut bedecken. Ein Mittel! +

MEPHISTOPHELES: Schade! so ein leuchtend Schaetzchen Im Mai getupft wie eure Pantherkaetzchen. Nehmt Froschlaich, Kroetenzungen, kohobiert, Im vollsten Mondlicht sorglich distilliert Und, wenn er abnimmt, reinlich aufgestrichen, Der Fruehling kommt, die Tupfen sind entwichen.

BRAUNE: Die Menge draengt heran, Euch zu umschranzen. Ich bitt’ um Mittel! Ein erfrorner Fuss Verhindert mich am Wandeln wie am Tanzen, Selbst ungeschickt beweg’ ich mich zum Gruss.

MEPHISTOPHELES: Erlaubet einen Tritt von meinem Fuss.

BRAUNE: Nun, das geschieht wohl unter Liebesleuten.

MEPHISTOPHELES: Mein Fusstritt, Kind! hat Groessres zu bedeuten. Zu Gleichem Gleiches, was auch einer litt; Fuss heilet Fuss, so ist’s mit allen Gliedern. Heran! Gebt acht! Ihr sollt es nicht erwidern.

BRAUNE: Weh! Weh! das brennt! das war ein harter Tritt, + Wie Pferdehuf.

MEPHISTOPHELES: Die Heilung nehmt Ihr mit. Du kannst nunmehr den Tanz nach Lust verueben, Bei Tafel schwelgend fuessle mit dem Lieben.

DAME: Lasst mich hindurch! Zu gross sind meine Schmerzen, Sie wuehlen siedend mir im tiefsten Herzen; Bis gestern sucht’ Er Heil in meinen Blicken, Er schwatzt mit ihr und wendet mir den Ruecken.

MEPHISTOPHELES: Bedenklich ist es, aber hoere mich. An ihn heran musst du dich leise druechen; Nimm diese Kohle, streich ihm einen Strich Auf aermel, Mantel, Schulter, wie sich’s macht; Er fuehlt im Herzen holden Reuestich. Die Kohle doch musst du sogleich verschlingen, Nicht Wein, nicht Wasser an die Lippen bringen; Er seufzt vor deiner Tuer noch heute nacht.

DAME: Ist doch kein Gift? +

MEPHISTOPHELES: Respekt, wo sich’s gebuehrt! Weit muesstet Ihr nach solcher Kohle laufen; Sie kommt von einem Scheiterhaufen, Den wir sonst emsiger angeschuert.

PAGE: Ich bin verliebt, man haelt mich nicht fuer voll.

MEPHISTOPHELES: Ich weiss nicht mehr, wohin ich hoeren soll. Muesst Euer Glueck nicht auf die Juengste setzen. Die Angejahrten wissen Euch zu schaetzen.— Schon wieder Neue! Welch ein harter Strauss! Ich helfe mir zuletzt mit Wahrheit aus; Der schlechteste Behelf! Die Not ist gross.— O Muetter, Muetter! Lasst nur Fausten los! Die Lichter brennen truebe schon im Saal, Der ganze Hof bewegt sich auf einmal. Anstaendig seh’ ich sie in Folge ziehn Durch lange Gaenge, ferne Galerien. Nun! sie versammeln sich im weiten Raum Des alten Rittersaals, er fasst sie kaum. Auf breite Waende Teppiche spendiert, Mit Ruestung Eck’ und Nischen ausgeziert. Hier braucht es, daecht’ ich, keine Zauberworte; Die Geister finden sich von selbst zum Orte.

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